Anne Kura: Rede zur Fragestunde "Wale retten - unsere Meere besser vor Bedrohungen schützen"

Rede Anne Kura© Plenar TV

TOP 35 b Fragestunde (GRÜNE): Wale retten - unsere Meere besser vor Bedrohungen schützen

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Sie wissen: Niedersachsen, das ist groß. Aber noch größer sind die Meere. Sie bilden das größte Ökosystem unseres Planeten. 

Der renommierte britische Naturforscher Sir David Attenborough (der gerade 100 Jahre alt geworden ist) meint deshalb: Es passe eigentlich nicht, dass unser Planet „Erde“ heißt: Der viel treffendere Name wäre: „Ozean“. 

Schließlich sind mehr als 70 Prozent mit Salzwasser bedeckt. Darunter befinden sich 99 Prozent der weltweiten Lebensräume. Die Meere produzieren den Großteil des Sauerstoffs in der Atmosphäre. Sie speichern Wärme und stabilisieren unser Klima. Wenn es dem Meer schlecht geht, geht es dem Planeten schlecht.

Meere sind nicht nur etwas für den Kopf, sondern auch fürs Herz. Das Meer ist Sehnsuchts- und Urlaubsort. Das Meer und seine Bewohner faszinieren uns – besonders die Meeressäuger – und bewegen viele Menschen emotional. Das hat die große Empathiewelle für die Buckelwalkuh Timmy und ihr Schicksal gezeigt. 

Viele fragen sich, wie können wir das Leid verhindern? Die Antwort lautet: Meer-Schutz – und nicht weniger. 

Wenn wir Wale retten wollen, müssen wir ihren Lebensraum erhalten. Timmy ist viral gegangen. Aber die meisten Wale sterben unbeobachtet – in Stellnetzen, durch Kollisionen mit Schiffen oder durch Plastik statt Plankton im Magen.

Ein Ankerpunkt des Meeresschutzes in Niedersachsen ist der Nationalpark Wattenmeer. Seit 40 Jahren leistet er wichtige Arbeit für den Erhalt eines der faszinierendsten Lebensräume der Welt. Und ist auch UNESCO-Weltnaturerbe. Es gibt Erfolge: Die Rückkehr der Kegelrobben zeigt, wie Naturschutz wirken kann. 

Doch der Nationalpark allein kann die Nordsee nicht retten. Die Nordsee ist nicht nur eines der artenreichsten, sondern auch eines der am stärksten genutzte Meere der Welt. Und sie ist in einem besorgniserregenden Zustand:

Von Sauerstoffmangel, verursacht durch Überdüngung und Erhitzung, über Plastikmüll, Verschlickung, PFAS – also Ewigkeitschemikalien – und Geisternetzen bis hin zu den Schäden durch Gas- und Ölbohrungen und den Folgen der Klimakrise – dadurch geraten Lebensräume aus dem Gleichgewicht und die biologische Vielfalt geht verloren.

Während das Meer uns Menschen erwiesenermaßen dabei hilft, Stress abzubauen, setzen wir das Meer unter Dauerstress. Und zwar so sehr, dass die Selbstheilungskräfte des Ozeans nicht mehr wirken. Ich bin Umweltminister Meyer dankbar, dass er den Meeresschutz zur Priorität macht.

Neben dem Schutz der Lebensräume müssen wir die ökologische Wiederherstellung der Meere vorantreiben – mit internationalen, nationalen und regionalen Initiativen. Auch hier gilt: Wir müssen die EU-Wiederherstellungsverordnung umsetzen. 

Ein Beispiel ist das Seegras: Seegras ist ein Verbündeter mit echten Superkräften: Es stabilisiert den Meeresboden, schützt vor Erosion, produziert Sauerstoff, speichert große Mengen Kohlenstoff und dient vielen Fischarten und anderen Meerestieren als Kinderstube. Doch zwischen Ems und Elbe sind bis zu 97 Prozent der Bestände verschwunden.

Deshalb ist es genau richtig, dass Umweltminister Meyer hier die Anstrengungen verstärkt, die Seegraswiesen wiederherzustellen. Das gilt auch für Salzwiesen und den Einstieg in ein ökologisches Sedimentmanagement.

Außerdem ist es ein erster wichtiger Schritt, dass Bundesumweltminister Schneider zumindest in Schutzgebieten keine neuen Öl- und Gasbohrungen zulassen will. Die UNESCO-Kommission hat deutlich gemacht, dass Öl- und Gasförderung auch am Rande des Gebiets nicht nur Klima und Meer schädigen, sondern auch den Welterbestatus gefährden würden.

Hoffnung macht, dass Schneider einen Aktionsplan Meer angekündigt hat. Den Ankündigungen müssen jetzt Taten folgen.

Es liegt in unserer Hand: Zerstören wir die Ökosysteme der Meere weiter – oder stellen wir die Balance zwischen Nutzung und Schutz wieder her? 

Die Natur besitzt enorme Regenerationskräfte. Das Beispiel der Kegelrobben zeigt, was möglich ist, wenn wir ihr Raum geben. Wir alle können noch eine Nordsee erleben, die artenreicher, gesünder und widerstandsfähiger ist als heute.

Wir wissen, was zu tun ist. Die Frage ist nur, ob den Willen dazu aufbringen. Minister Meyer hat diesen Willen deutlich gemacht. Ermuntern und unterstützen wir die Landesregierung dabei.

Versuchen wir nicht nur einzelne Wale zu retten – schützen wir sie alle. 

Das wäre richtig groß, großartig.

 

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