Eva Viehoff: Rede zur kinderärztlichen Versorgung (CDU-Antrag)
TOP 12 CDU-Antrag zur kinderärztlichen Versorgung
- Es gilt das gesprochene Wort -
"Wenn man den Antrag der CDU liest, könnte man zunächst meinen, hier werde die große Lösung für die kinderärztliche Versorgung in Niedersachsen präsentiert. Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Vieles bleibt Symbolpolitik und greift zu kurz.
Denn die gesundheitliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen ist zu wichtig, um sie auf plakative Forderungen oder einfache Quotenmodelle zu reduzieren.
Ja, wir stehen vor Herausforderungen – besonders im ländlichen Raum. Ja, wir brauchen mehr Nachwuchs, bessere Ausbildungsbedingungen und attraktive Perspektiven für junge Ärztinnen und Ärzte. Aber vor allem brauchen wir nachhaltige Lösungen. Genau daran arbeitet diese Landesregierung.
Die UN-Kinderrechtskonvention verpflichtet uns, jedem Kind das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit zu garantieren. Kinder- und Jugendmedizin darf deshalb kein Nebenschauplatz sein, sondern ist Kernbestandteil einer gerechten Gesundheitsversorgung.
Die CDU fordert hier nun (erneut) eine Kinderarztquote. Doch selbst Befürwortende räumen ein, dass eine Quote allein die strukturellen Probleme nicht lösen wird. Entscheidend ist doch die Frage: Wie schaffen wir Bedingungen, unter denen Ärztinnen und Ärzte dauerhaft dort arbeiten, wo sie gebraucht werden?
Kinderärztinnen und Kinderärzte berichten immer wieder von hoher Arbeitsbelastung, fehlenden Weiterbildungsmöglichkeiten und unattraktiven Rahmenbedingungen – gerade im ländlichen Raum. Viele junge Medizinerinnen und Mediziner entscheiden sich nicht gegen die Kinderheilkunde, weil ihnen das Fach nicht gefällt, sondern weil die Weiterbildung häufig zu wenig attraktiv organisiert ist.
Daher freuen wir uns, wenn Sie sich im Bund dafür einsetzen, dass die Kinder- und Jugendmedizin als Teil der Primärversorgung anerkannt wird und Kinderärzt*innen den Hausärzt*innen gleichgestellt werden. Und dann bemühen Sie sich bitte auch im Bund darum, dass die GB-A Richtlinien endlich weiterentwickelt und eine Ausweitung der Pädiatrie im Rahmen der Bedarfsplanung ermöglicht wird.
Während, wie Sie sehen, auf Bundesebene, wo Ihre Partei in Verantwortung steht, noch viel zu tun ist, arbeitet diese Landesregierung an den Ursachen an, und nicht an den Symptomen.
Mit dem Pädiatrischen Weiterbildungsverbund schaffen wir die Voraussetzungen dafür, dass die fachärztliche Weiterbildung vollständig in der Region stattfinden kann. Das ist entscheidend, denn junge Ärztinnen und Ärzte bleiben häufig dort, wo sie ausgebildet werden. Wer Versorgung nachhaltig sichern will, muss genau dort investieren.
Und dieses Konzept wirkt: Nicht umsonst wurde das Modell 2025 mit dem Niedersächsischen Gesundheitspreis ausgezeichnet.
Wir brauchen keine kurzfristigen Schlagzeilen, sondern langfristige Versorgungssicherheit. Um allerdings mehr solcher Kooperationen zwischen Kliniken und Praxen, fördern zu können, braucht es eine Verbesserung der Weiterbildung im ambulanten Bereich. Und auch hier muss der Bund erst seine Hausaufgaben machen, nämlich Kinderärzt*innen in SGB V Art. 79a zu übernehmen und einen Teil der Weiterbildungsstellen aus dem hausärztlichen Bereich zu Verfügung zu stellen und damit die Versorgung insbesondere im ländlichen Raum zu stärken.
Denn eine Kinderarztquote ersetzt keine strukturellen Reformen. Was Kinder und Familien brauchen, sind wohnortnahe Praxen, verlässliche Ansprechpartner*innen und gute Arbeitsbedingungen.
Die Sicherstellung der kinder- und jugendärztlichen Versorgung bleibt ein zentrales Anliegen dieser Landesregierung. Dabei handeln wir mit Fachlichkeit und mit dem Ziel gleicher Gesundheitschancen für alle Kinder – unabhängig davon, ob sie in der Stadt oder auf dem Land aufwachsen.
Kindergesundheit darf kein Randthema sein. Wer heute in die Gesundheit von Kindern investiert, legt das Fundament für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Deshalb sollten wir symbolische Schnellschüsse hinter uns lassen und gemeinsam an nachhaltigen Reformen arbeiten – in Ausbildung, Weiterbildung und den Versorgungsstrukturen vor Ort."