Eva Viehoff: Rede zur kulturellen Bildung und Teilhabe (CDU-Antrag)
TOP 8 CDU-Antrag zur kulturellen Bildung und Teilhabe
- Es gilt das gesprochene Wort -
„Der vorliegende Antrag der CDU-Fraktion, jungen Menschen kostenfreien Zugang zu unseren staatlichen Museen zu gewähren, klingt im ersten Moment nach einem sympathischen und absolut nachvollziehbaren Vorhaben. Wer von uns möchte nicht, dass Kinder und Jugendliche ungehindert Zugang zu Kunst, Geschichte und Wissenschaft erhalten? Doch bei genauerer Betrachtung müssen wir feststellen: Der Schein trügt. So wünschenswert ein kostenloser Eintritt auch wäre, die Realität ist komplexer, als es dieser Antrag suggeriert.
Zunächst müssen wir uns ehrlich fragen: Ist der Eintrittspreis wirklich die entscheidende Barriere? Wir sprechen hier über Beträge zwischen 1,50 Euro und 4,00 Euro. Dass Familien, Kinder und Jugendliche den Museumsbesuch scheuen, hat keinen monokausalen Zusammenhang mit diesen Beträgen. Es ist schlichtweg nicht so einfach, dass man nur den Eintritt streichen muss und plötzlich die Türen eingerannt werden. Sicherlich kann sich das bei einer Familie mit vielen Kindern summieren, aber ein Museumsbesuch hängt vielmehr davon ab, ob die Häuser mit ihren Angeboten Interesse und Freude wecken – und zwar völlig unabhängig vom Alter.
Ein Blick in die Praxis bestätigt dies: Die Unterrichtung der Landesregierung am Beispiel des Landesmuseums Oldenburg hat gezeigt, dass kostenloser Eintritt nicht zwingend zu mehr jungen Besucherinnen und Besuchern führt.
Gleichzeitig dürfen wir die finanziellen Folgen nicht ignorieren. Ein freier Eintritt würde den Museen Einnahmen von rund 230.000 Euro entziehen. Sie alle wissen, wie eng gestrickt unser Kulturhaushalt ist. In manchen Fällen können schon 200.000 Euro über Leben oder Tod einer Einrichtung entscheiden. Diese Summe ist in der aktuellen Lage keine Kleinigkeit, die man einfach so zusätzlich als Zuschuss aufbringen kann.
Dass es andere Wege gibt, zeigt das Modell des Landesmuseums Hannover. Dort ist der Freitagnachmittag eintrittsfrei – ein Modell, das so erfolgreich, ja fast schon zu gut besucht ist, dass es eine echte Alternative darstellt. Dies ist ein gangbarer Weg, der für die Museen leistbar bleibt, ohne dass wir sofort zusätzliche Haushaltsmittel bereitstellen müssen. Wir sollten daher eher prüfen, ob solche Modelle auch an anderen Landesmuseen Schule machen können.
Aufgrund der aktuell wirklich schwierigen Haushaltslage können und wollen wir dem kommenden Doppelhaushalt nicht vorgreifen. Angesichts dieser finanziellen Unsicherheiten ist der Antrag der CDU momentan nicht verantwortbar.
Der Ausschuss für Wissenschaft und Kultur hat daher bereits die Ablehnung empfohlen. Auch wir als Grüne Fraktion werden den Antrag heute aus diesen Gründen ablehnen."