Marie Kollenrott: Rede zur Klimapolitik (Aktuelle Stunde der AfD)
TOP 17b Aktuelle Stunde der AfD zur Klimapolitik/IPCC
- Es gilt das gesprochene Wort -
"Das hier ist kein Missverständnis, keine Unwissenheit und keine Meinung. Das ist die gezielte Verbreitung von Falschinformationen zugunsten rechter Erzählungen. Die AfD zelebriert hier im Parlament ihre Wirklichkeitsverweigerung. Klimaschutz wirkt – und genau deshalb würden Sie ihn am liebsten abschaffen. Denn mit Angst und Verunsicherung lässt sich politisches Kapital schlagen. Und das ist ihr Spiel, das ist, was Sie tun.
Der IPCC – für alle nochmal – ist ein wissenschaftliches und zwischenstaatliches Gremium. 195 Länder sind Mitglied, zahlreiche Organisationen als Beobachter akkreditiert. Die Berichte des IPCC beruhen auf transparenten wissenschaftlichen Verfahren und bündeln den internationalen Forschungsstand zur menschengemachten Erderwärmung.
Die Verdrehung wissenschaftlicher Aussagen hin zur Klimawandelleugnung, wie Sie sie hier betreiben, ist gefährlich. Und ehrlich gesagt frage ich mich manchmal: Ist Ihnen das eigentlich nicht selbst unangenehm? Sie sehen doch genauso wie alle anderen, was passiert – Hitzesommer, Dürren, Extremwetter. Und trotzdem wird hier bewusst Realität verdreht und verweigert, weil es Aufmerksamkeit bringt und in die eigene Erzählung passt.
Was wir dagegen machen, ist Menschenschutz. Deshalb setzen wir auf vernünftige Klimapolitik.
Und weil Wissen nicht schadet: Szenarien und Prognosen sind nicht dasselbe.
Der IPCC arbeitet mit Szenarien. Das sind mögliche Entwicklungen, abhängig davon, wie gehandelt wird – oder eben nicht gehandelt wird. Sie sind also veränderbar. Und weil mittlerweile viele Staaten verstanden haben, dass erneuerbare Energien wirtschaftlich und politisch die Zukunft sind – darunter China, aber auch die europäische Staatengemeinschaft – haben sich die Annahmen verändert.
Das bedeutet vor allem eins: Das schlimmste Szenario ist weniger wahrscheinlich geworden, weil weltweit gehandelt wird. Und das sind gute Nachrichten.
Und Niedersachsen trägt dazu bei: mit der Energiewende, mit natürlichem Klimaschutz durch Moorschutz, mit wirtschaftlicher Transformation und mit Klimasozialpolitik. Darauf können wir stolz sein. Das sollten wir feiern. Und genau deshalb dürfen wir jetzt nicht nachlassen.
Prognosen wiederum – etwa vom GERICS, dem Climate Service Center Germany – zeigen die wahrscheinlichen Folgen der Erderwärmung für unsere Regionen: steigende Meeresspiegel, mehr Extremwetter, mehr Dürre, der sinkende Grundwasserspiegel sowie mehr Hitzetage und Tropennächte. Das zeigt auch der Klimafolgenmonitoring-Bericht für Niedersachsen – mit erwartbaren erheblichen Folgen für Wirtschaft, Versorgungssicherheit und Gesundheit.
Kurz gesagt: Hier wurde die wissenschaftliche Einordnung eines Szenarios bewusst aus dem Kontext gerissen und verzerrt. Und das ausgerechnet unter Berufung auf wissenschaftliche Daten, die Sie sonst kategorisch ablehnen.
Dieses Manöver ist nicht nur durchschaubar, sondern vor allem eins: Extrem peinlich. Diskreditiert haben Sie damit am Ende nur sich selbst.
Wir lassen uns davon jedenfalls nicht beirren. Wir machen weiter mit ambitionierter Klimaschutzpolitik. Und vielleicht gelingt genau dadurch das Entscheidende: dass selbst das heutige Worst-Case-Szenario niemals Realität wird."