Stephan Christ: Rede zur barrierefreien Mobilität (rot-grüner Antrag)

Rede Stephan Christ© Plenar TV

TOP 13 Rot-grüner Antrag zur barrierefreien Mobilität

- Es gilt das gesprochene Wort - 

"Barrierefreiheit ist kein Spezialthema für wenige Menschen. Barrierefreiheit ist ein Alltagsthema. Ein Freiheitsthema. Und sie betrifft uns letztlich alle.

Denn jede und jeder von uns kann irgendwann in eine Situation geraten, in der Barrieren plötzlich ganz konkret werden: nach einem Unfall, mit Kinderwagen, im Alter, mit schwerem Gepäck oder mit einer zeitweisen Einschränkung. Dann merken wir sehr schnell, wie entscheidend es ist, ob ein Aufzug funktioniert, ob ein Bordstein abgesenkt ist oder ob Informationen verständlich und zugänglich bereitgestellt werden.

Und genau deshalb geht uns dieses Thema alle an.

Der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai hat uns das erst vor wenigen Wochen noch einmal deutlich vor Augen geführt. Er erinnert uns daran: Teilhabe darf nicht vom Zufall abhängen. Mobilität muss für alle Menschen selbstverständlich möglich sein.

Denn Freiheit bedeutet auch: selbstständig unterwegs sein zu können. Ohne Angst vor der nächsten Stufe. Ohne die Sorge, irgendwo nicht weiterzukommen. Ohne darauf angewiesen zu sein, ständig um Hilfe bitten zu müssen.

Wir haben in diesem Haus bereits über die Finanzierung des barrierefreien Ausbaus gesprochen. Mit unserem Antrag erweitern wir diese Debatte jetzt aber um wichtige Aspekte, die bislang oft zu wenig Beachtung gefunden haben.

Denn Barrierefreiheit endet eben nicht an der Bushaltestelle.

Eine barrierefrei ausgebaute Haltestelle hilft wenig, wenn Menschen sie gar nicht sicher erreichen können – weil Bordsteine fehlen, Querungen nicht abgesenkt sind oder Wege Hindernisse aufweisen. Wer Barrierefreiheit ernst meint, muss den gesamten Weg in den Blick nehmen.

Und genauso wichtig ist die digitale Barrierefreiheit. Fahrgastinformationen, Apps und Informationssysteme müssen so gestaltet sein, dass sie auch für Menschen mit Sehbehinderungen oder anderen Einschränkungen selbstständig nutzbar sind.

Denn moderne Mobilität entscheidet sich heute eben nicht nur an der Bushaltestelle – sondern oft schon auf dem Smartphone.

Ehrlicherweise müssen wir sagen: Niedersachsen hat beim Thema Barrierefreiheit noch viel zu tun. Der gesetzliche Anspruch auf weitgehende Barrierefreiheit im ÖPNV besteht seit Jahren. Eigentlich hätten wir dieses Ziel längst erreichen müssen. Die Realität sieht vielerorts leider anders aus – gerade im ländlichen Raum und besonders an vielen Bushaltestellen außerhalb geschlossener Ortschaften.

Aber Barrierefreiheit ist keine lästige Pflicht. Sie ist ein Gewinn für alle. Für Menschen im Rollstuhl. Für ältere Menschen. Für Familien mit Kinderwagen. Für Reisende mit Gepäck. Und am Ende für jede und jeden, der sich eine moderne, komfortable und verlässliche Infrastruktur wünscht.

Eine Gesellschaft ohne Barrieren ist eben nicht nur gerechter. Sie ist auch lebenswerter. Und deshalb ist dieser Antrag ein weiterer wichtiger Schritt auf diesem Weg."

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