Tanja Meyer: Rede zur Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt

Rede Tanja Meyer© Plenar TV

 

TOP 43 Antrag (SPD/GRÜNE) Geschlechtergerechtigkeit im Erwerbsleben und Entgeltgleichheit herstellen, gleichberechtigte Teilhabe für Frauen am Arbeitsmarkt stärken

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Für ein selbstbestimmtes Leben ist ökonomische Unabhängigkeit eine entscheidende Voraussetzung. Aber von einer Gleichverteilung finanzieller Ressourcen sind wir in Deutschland, und auch in Niedersachsen, noch sehr weit entfernt. Das trifft Frauen in besondere Weise:

Ökonomische Unabhängigkeit ist also kein „nice to have“, sondern essenziell für Teilhabe, Sicherheit und freie Entscheidungen. Doch nur wer ökonomisch unabhängig ist, kann eine toxische Beziehung einfacher verlassen. Ökonomische Unabhängigkeit ist also ganz unmittelbarer Gewaltschutz. Nur wer ökonomisch unabhängig ist, kann sich frei für oder gegen etwas zu entscheiden.

Wer ökonomisch unabhängig ist, hat bessere Chancen auf eine gute Gesundheitsversorgung, auf Teilhabe an Bildung, hat einen besseren Zugang zum Wohnungsmarkt und kann Versicherungen oder andere Absicherungen in Anspruch nehmen. Ökonomische Unabhängigkeit ist also definitiv kein „nice to have“, sondern essentiell für Teilhabe, Sicherheit und freie Entscheidungen.

Vermögen ist bei uns jedoch nicht nur generell ungleich verteilt, sondern es bestehen auch viele Lücken zu Ungunsten von Frauen, wie wir ja schon eindrücklich eben von meiner Kollegin gehört haben. 

Männer besitzen im Schnitt von vornherein mehr Vermögen und sie verdienen über ihr Berufsleben nochmal mehr. In Partnerschaften besitzen Frauen statistisch in deutschen Paarhaushalten 32% weniger Vermögen als Männer. Das bedeutet in der Konsequenz für Männer mehr Selbstbestimmung, mehr Teilhabe und mehr Macht – vor allem Gestaltungsmacht!

Blicken wir auf das Erwerbsleben: Jeder Tag hat 24 Stunden - für alle. Doch davon stehen Frauen und Männern unterschiedlich viel Zeit für das Erwerbsleben zur Verfügung. Während Männer deutlich mehr Zeit in bezahlte Erwerbsarbeit investieren, leisten Frauen mehr unbezahlten Sorgearbeit (Care-Arbeit): Und zwar 76 Minuten mehr pro Tag!  

Das sind mal gemütlich auf dem Sofa 3 Folgen „Modern Family“ pro Tag oder auch Aktivitäten wie ein täglicher 12-km-Lauf. 

Weil der Tag aber nur diese 24 Stunden hat, führt dieser Care Gap direkt zu finanziellen Nachteilen. Wer unbezahlt arbeitet, kann weniger bezahlt arbeiten, arbeitet häufiger (dauerhaft) in Teilzeit, verdient weniger. 

Dazu kommt: auch im direkten Vergleich unter annähernd ähnlichen Bedingungen bekommen Frauen im Schnitt trotzdem weniger Lohn für ihre Arbeit. 

Darauf folgt ganz logisch dann die Rentenlücken von morgen. Frauen bekommen in Niedersachsen im Schnitt deutlich weniger Rente als Männer und die Gefahr von Altersarmut ist für Frauen ist entsprechend größer.

Also: Die Ausgangsbedingungen sind eh schon unterschiedlich, aber die Ungerechtigkeiten verstärken sich über den Lebensverlauf noch. Grund dafür sind unter anderem strukturelle Rahmenbedingungen und auch gesellschaftliche Erwartungen.

Und genau hier setzen wir an: 

  • Wir sorgen mit diesem Antrag dafür, Rollenstereotypen bei der beruflichen Orientierung entgegen zu wirken, 

  • wir stärken einschlägige Forschung, Entwicklung und – ganz wichtig – den Praxistransfer, 

  • wir unterstützen Strukturen, die Frauen beraten und unterstützen, 

  • wir gehen als Arbeitgeberin voran und verbessern gleichberechtigte Vereinbarkeit und Zugang zu Qualifizierung, Gleichstellungs- und Diversity-Kompetenz, 

  • wir fördern Frauen in Führungspositionen und entwickeln Arbeitszeitmodelle so weiter, dass sie zum Leben aller passen und

  • wir berücksichtigen all diese Fragestellungen bei Drittmitteln.

  • Und wir setzen uns für eine Reform der Steuergesetze an, damit sich Ungleichheiten in Ehen nicht weiter verstärken. 

Teilhabe am Arbeitsmarkt, gerechte Strukturen, die vielfältige Lebenswirklichkeiten berücksichtigen und gerechte Bezahlung sind die Schlüssel für eine ökonomische Unabhängigkeit auch von Frauen. Denn ein selbstbestimmtes Leben steht uns zu.

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