Arrest ist keine Lösung gegen Schulvermeidung - Grüne halten Entscheidung des Holzmindener Richters für völlig überzogen
Als unangemessen und völlig überzogen hat die schulpolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, Ina Korter, heute (Mittwoch) in Hannover das Vorgehen eines Jugendrichters in Holzminden bezeichne...
Als unangemessen und völlig überzogen hat die schulpolitische Sprecherin der grünen Landtagsfraktion, Ina Korter, heute (Mittwoch) in Hannover das Vorgehen eines Jugendrichters in Holzminden bezeichnet, der nach Presseberichten 14 Jugendliche zu Beginn der Ferien wegen "Schulschwänzens" für 1 bis 3 Wochen in Arrest geschickt haben soll.
"Der pädagogische Sinn dieser Maßnahme ist äußerst fragwürdig", so Korter. "Schulvermeidung hat die unterschiedlichsten Ursachen: von starken Ängsten über familiäre Probleme bis zu Mobbingerfahrungen in der Schule. Es ist immer ein Hinweis auf besondere Schwierigkeiten, die fachkundige Beratung und Hilfe erfordern. Arrest löst keine Probleme. Er kann sie sogar massiv verstärken."
JugendrichterInnen hätten eine gewisse Bandbreite von abgestuften Sanktionsmöglichkeiten wie Weisungen, gemeinnützige Arbeit, verpflichtende Teilnahme an Verweigerungsprogrammen bis hin zur Zwangsvorführung zum Unterricht. Arrest sei die schlechteste, weil absolut letzte Möglichkeit in der Palette der erzieherischen Maßnahmen, so Korter.
"Besonders betroffen macht mich die Angabe, manche Eltern seien froh über das "harte Durchgreifen", offenbart es doch die große Hilflosigkeit einer Reihe von Erziehungsberechtigten angesichts der Entwicklung ihrer heranwachsenden Kinder. Sie brauchen dringend fachkundige Hilfe und Unterstützung", so die Grünen-Politikerin.
Wichtig sei aber auch, dass sich Schulen um ein gutes Klima bemühten, das alle integriere und Mobbing nicht zulasse. Unterricht müsse so gestaltet werden, dass Schülerinnen und Schüler gern zur Schule gingen.
Falsch sei es auf jeden Fall, angesichts der bekannten Zusammenhänge zwischen Schulvermeidung und späterer sozialer Karriere bei den Stunden für Beratungslehrkräfte und der Lehrkräftefortbildung massiv zu kürzen, wie es gerade Kultusminister Busemann tue, so Korter.