Schön gerechneter Ausbildungspakt stellt unversorgte Jugendliche ins Abseits:"Aufbewahrt statt ausgebildet"
Als Augenwischerei kritisieren die Grünen im Landtag die vermeintliche Erfolgsmeldung über den niedersächsischen Ausbildungspakt im zweiten Jahr. "Die Paktpartner rechnen hier die Statistik schön, dam...
Als Augenwischerei kritisieren die Grünen im Landtag die vermeintliche Erfolgsmeldung über den niedersächsischen Ausbildungspakt im zweiten Jahr. "Die Paktpartner rechnen hier die Statistik schön, damit wir am Ende in der Statistik kein Problem mehr sehen und glauben, dass es auch kein Problem in der Realität gibt", sagte der arbeitsmarktpolitischer Sprecher der GRÜNEN-Frakti on Enno Hagenah am Dienstag in Hannover. "Aber das ist eine Illusion – denn wir haben strukturell massive Probleme in Niedersachsen."
So verließen in Niedersachsen zu viele Jugendliche die Schulen ohne Abschluss. "Es ist die Fürsorgepflicht des Landes, seine Schulabgänger fit für den Markt zu machen – notfalls mit staatlich gefördert nachgeholten Schulabschlüssen", sagte der Grünen-Politiker. Außerdem befinden sich auch in Niedersachsen immer mehr Jugendliche in Warteschleifen. Bekamen 1992 noch 80 Prozent aller Schulabgänger eine Lehrstelle, sind es heute gerade einmal noch 60 Prozent. Hagenah: "Wir verschwenden hier unsere Ressourcen." Dass der Pakt nur zur Schönrechnerei der Paktpartner taugt, zeigt auch der traurige Rekord bei der Jugendarbeitslosigkeit. "Dass Niedersachsen hier vor allen anderen Bundesländern führt, ist auch eine Quittung für die Fehlleistungen beim Ausbildungsstellenmarkt", sagte Hagenah. Und Hirche mache weitere Fehler: Obwohl die Lage dramatisch ist, wolle der Wirtschaftsminister laut Haushaltsentwurf 2006 vorrangig bei der Arbeitsmarktqualifizierung kürzen. "Das trifft natürlich auch die Jugendlichen hart."
Die Grünen fordern, dass Hirche die geplanten Kürzungen im Bereich Arbeit und Qualifizierung für 2006 zurücknimmt. Außerdem bräuchte Niedersachsen ehrliche Zahlen, damit langzeitarbeitslose Jugendliche künftig verbindlicher versorgt werden und nicht wie bisher durchs Raster fallen.