"Drohende Zwei-Klassen-Gesellschaft an Hochschulen" - GRÜNE: Wirtschaft soll für "Akademisierung" von Lehrberufen zahlen
Mit Blick auf die im nächsten Monat geplante Verabschiedung des neuen Hochschulgesetzes warnen die Grünen im Landtag vor einer künftigen "Zwei-Klassen-Gesellschaft" in der niedersächsischen Hochschull...
Mit Blick auf die im nächsten Monat geplante Verabschiedung des neuen Hochschulgesetzes warnen die Grünen im Landtag vor einer künftigen "Zwei-Klassen-Gesellschaft" in der niedersächsischen Hochschullandschaft. "Während einige wenige Stiftungshochschulen maximalen Gestaltungsspielraum erhalten sollen, verbleiben alle anderen Hochschulen weitgehend am staatlichen Gängelband", sagte der hochschulpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion Michel Golibrzuch am Dienstag in Hannover.
Nach Ansicht des Grünen-Politikers sollten die Zuständigkeiten für Personal- und Liegenschaften generell auf die Hochschulen übergehen und dabei auch andere Rechtsformen als Stiftungen zugelassen werden. Soweit man sich dabei am Vorbild großer Kapitalgesellschaften orientiere, müssten die in Unternehmen gültigen Mitbestimmungsrechte auch für Hochschulen gelten. Golibrzuch: "Auch in der freien Wirtschaft gilt, dass eine Firma nur erfolgreich sein kann, wenn sie ihre Beschäftigten in geeigneter Form einbindet."
Weil das Profil der Hochschulen immer stärker von den Anforderungen des Arbeitsmarktes oder gar einzelner Branchen geprägt wird, will der Grünen-Abgeordnete die Wirtschaft in die Finanzierung der Hochschulen insgesamt stärker einbinden. Studiengänge, die überwiegend dem Interesse Dritter an der Ausbildung dienten, müssten von einer entsprechenden Gegenleistung abhängig gemacht werden. Golibrzuch: "Mal eine Stiftungsprofessur über ein paar Jahre zu finanzieren, reicht da nicht aus."
Landesweit gebe es einen starken Trend zur "Akademisierung" von Lehrberufen, beispielsweise würden Medizinalfachberufe (Hildesheim), Optiker (Wolfenbüttel), Hörtechnik (Oldenburg), Dentaltechnik, Pflegeberufe (Osnabrück) oder Feinmesstechnik (Göttingen) an Fachhochschulen angeboten. Weil die Unternehmen ihren Nachwuchs in diesem Falle nicht mehr über eine Lehre und eventuelle Mieterausbildung gewinnen würden, wäre es nach Ansicht des Grünen-Politikers angebracht, wenn sie stattdessen die Kosten für das FH-Studium mittragen würden. Golibrzuch: "Anders als Minister Oppermann wollen wir nicht die Studierenden, sondern die Wirtschaft zur Kasse bitten."