Pressemeldung Nr. 239 vom

GRÜNE fordern Kurswechsel in der Hochschulpolitik:Gebührenminister Stratmann schreckt Studierwillige ab

„Die neusten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Absinken der Studierneigung beweisen, dass die Landesregierung auf dem falschen Dampfer sitzt. Auf kurz oder lang wird Niedersachsen der Konkurrenz der gebührenfreien Nachbarländer nichts entgegenzusetzen haben“, so Gabriele Heinen-Kljajic

Die Grünen im Landtag werfen der Landesregierung vor, durch die Erhebung von Studiengebühren und die Ausweitung von Zulassungsbeschränkungen junge, studierwillige Abiturienten und Abiturientinnen vor der Aufnahme eines Studiums abzuschrecken. Dazu erklärte die hochschulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Gabriele Heinen-Kljajic heute (Dienstag) in Hannover: "Die neusten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zum Absinken der Studierneigung von Schulabgängern beweisen, dass die Landesregierung auf dem falschen Dampfer sitzt. Auf kurz oder lang wird Niedersachsen der Konkurrenz der gebührenfreien Nachbarländer nichts entgegenzusetzen haben."

Als Gründe für die sinkende Studierneigung werden von Hochschulforschern u.a. die erheblich ausgeweiteten Zulassungsbeschränkungen genannt. In Niedersachsen sind an den Universitäten tatsächlich 55 % der Studiengänge zulassungsbeschränkt; an den Fachhochschulen beträgt die Numerus-Clausus-Quote sogar 88%. Auch die Erhebung von Studiengebühren, in Niedersachsen immerhin 1.000 € im Jahr, wird als Entscheidungsgrund gegen die Aufnahme eines Studiums gewertet. Heinen-Kljajic: "Das zur vorgeblichen Sicherung der Sozialverträglichkeit eingeführte niedersächsische Studienkreditmodell wird von nur 4,6% der Berechtigten in Anspruch genommen, da es, inklusive BAföG-Rückzahlung, zu einem Schuldenberg von weit über 15.000 € führen kann. Dass den jungen Menschen bei solchen Aussichten mulmig wird und sie lieber den Weg in eine betriebliche Ausbildung suchen, kann ich nachvollziehen. Leidtragende sind in diesem Fall die Haupt- und Realschüler, die von den Abiturienten auf dem Ausbildungsmarkt verdrängt werden."

In diesem Zusammenhang weisen die Grünen außerdem darauf hin, dass Niedersachsen mit einer Studienanfängerquote von 29% im Ländervergleich weit abgeschlagen auf dem zwölften Platz liegt. Dabei sei es erklärtes Ziel der Landesregierung, 40% eines Geburtsjahrgangs an die Hochschulen zu bringen. "Wie die Landeregierung dieses Ziel erreichen will, indem sie immer höhere Hürden aufstellt, ist mir völlig schleierhaft. Wenn die Landesregierung jetzt nicht umsteuert, strandet sie nach langer Odyssee nicht auf einem Studentenberg, sondern erleidet Schiffbruch", so Heinen-Kljajic. "Studiengebühren gehören abgeschafft und Zulassungsbeschränkungen müssen abgebaut werden. Nur mit einem klaren Kurswechsel ist die niedersächsische Hochschulpolitik noch vor der Havarie zu retten."

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