Ministerin bagatellisiert:GRÜNE fragen nach Schwangerschaftstests in Fleischfabrik
„Wir befürchten, dass dieser Fall nur die Spitze des Eisbergs ist und wir es mit einer in manchen Betrieben und Branchen gängigen Praxis zu tun haben“, sagte die frauenpolitische Sprecherin Elke Twesten.
Die Landtagsgrünen wollen die Vorwürfe gegen eine Fleischwarenfabrik in Nortrup im Zusammenhang mit unzulässigen Schwangerschaftstests zum Thema im Landtag machen. "Wir befürchten, dass dieser Fall nur die Spitze des Eisbergs ist und wir es mit einer in manchen Betrieben und Branchen gängigen Praxis zu tun haben", sagte die frauenpolitische Sprecherin Elke Twesten am Donnerstag (heute) in Hannover.
Ebenso wie die Frage nach einer Schwangerschaft gegen geltendes Recht verstoße, sei die Durchführung von Schwangerschaftstest unzulässig. "Auch freiwillige Tests haben bei Einstellungen nichts zu suchen", sagte die Grünen-Politikerin. "Niemand kann sagen, ob es sich nicht um eine Scheinfreiwilligkeit handelt, weil die Frauen schlechtere Chancen haben, sobald sie den Test ablehnen?" Der aktuelle Fall zeige, wie unerlässlich Schutz und Gleichstellung von Frauen vor allem in der Wirtschaft sind.
Nicht nachvollziehbar ist nach Twestens Auffassung, dass Sozialministerin Ross-Luttmann das Unternehmen ungeprüft von seiner möglichen Schuld entlastet hat. "Die Bagatellisierung der Sozialministerin ist angesichts der schwerwiegenden Vorwürfe der betroffenen Frauen, der informierten Beratungsstellen, der Gleichstellungsbeauftragten und Frauenärztinnen unerhört und zeigt beispielhaft, wie die Landesregierung zur Einhaltung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes steht."
Mit einer Anfrage wollen die Grünen erfahren, wie die Landesregierung ihre Einschätzung begründet und welche Maßnahmen sie ergreifen will, um künftig ähnliche Verstöße zu verhindern.