GRÜNE Kritik am "Turbo-Abi" - Unterricht am Gymnasium für alle verbessern
Die Landtagsgrünen haben die Pläne der Landesregierung zur Einrichtung von "Turbo-Klassen" an den niedersächsischen Gymnasien kritisiert....
Die Landtagsgrünen haben die Pläne der Landesregierung zur Einrichtung von "Turbo-Klassen" an den niedersächsischen Gymnasien kritisiert. Die Kultusministerin habe kein "durchdachtes Konzept" sagte die schulpolitische Sprecherin Brigitte Litfin am Donnerstag (heute) in Hannover. Die geplanten Maßnahmen gingen an den drängenden Problemen der Gymnasien vorbei. "Der jüngste OECD-Vergleich hat erneut gezeigt, dass die Abiturientenquote in Deutschland alarmierend gering und der Akademikermangel damit bereits vorprogrammiert ist. Die TIMSS-Studie lehrt, dass die Ergebnisse des Unterrichts an den deutschen Gymnasien unbefriedigend sind," sagte die Grünen-Politikerin. Es komme also in erster Linie darauf an, die vorhandenen Begabungen breiter auszuschöpfen und die Lernformen und - inhalte zeitgemäßer zu gestalten.
Nach Ansicht Litfins sei es durchaus sinnvoll, den Schülerinnen und Schülern auch schnellere Wege zum Abitur zu ermöglichen. Sie bezweifelt aber, dass es sich dabei um das dringendste Bedürfnis der SchülerInnen, der Eltern und der Gesellschaft handelt. Wichtiger seien für das Gymnasium neue, individualisierte Formen des Lernens, damit sich "die Jugendlichen in der Schule mit den Zukunftsfragen auseinandersetzen und ihre Selbstständigkeit entwickeln können."
Die Erfahrungen in Baden-Württemberg hätten gezeigt, dass auch bei den Eltern das Interesse an den "Turbo-Klassen" weit geringer ist als erwartet. "Die meisten Eltern wollen lieber eine solide als eine besonders kurze Schulbildung für ihre Kinder," so Litfin. Wichtig sei es, auch diejenigen SchülerInnen mitzunehmen, die 14 Jahre bis zum Abitur brauchen.
Die Grünen-Politikerin warf der Kultusministerin vor, mit dem "Turbo-Abitur" erneut ein nicht ausgereiftes Modell auf den Markt zu werfen. Die Schulen seien darauf nicht vorbereitet. Danach müsste schon die Orientierungsstufe künftig eine Empfehlung über die Aufnahme in eine "Turbo-Klasse" abgeben. In den Gymnasien hätte die Aufteilung der Schülerschaft in zwei Niveaugruppen negative Auswirkungen auf die herkömmlichen Klassen. SchülerInnen, die sich später entwickeln, könnten künftig nicht mehr eine Klasse überspringen. Und Ressourcen für die Einrichtung der "Turbo-Klassen", die in der Regel deutlich kleiner seien, gebe es auch nicht. Litfin: "Das Turbo-Abi geht zu Lasten der Gymnasiasten 2. Klasse."
rt