Qualifizierungsoffensive für kritische Medienerziehung nötig:GRÜNE: Kultusminister stiehlt sich mit neuem Erlass zu Medienzentren aus der Verantwortung
Auf Kritik der Landtagsgrünen ist der neue Erlass des Kultusministers zur Freistellung von Lehrkräften für die Arbeit an den Medienzentren und Kreisbildstellen gestoßen. Die Reduzierung der Freistellungsstunden habe eine Kürzung der Fachstunden für die medienpädagogische Arbeit zur Folge.
Auf scharfe Kritik der Landtagsgrünen ist der neue Erlass des niedersächsischen Kultusministers zur Freistellung von Lehrkräften für die Arbeit an den landesweit 67 Medienzentren und Kreisbildstellen gestoßen. Die Reduzierung der Freistellungsstunden habe eine massive Kürzung der Fachstunden für die medienpädagogische Arbeit zur Folge, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ina Korter am Montag in Hannover.
Bisher sei der Umfang der Freistellungsstunden für die Medienzentren auf Grundlage der Einwohnerzahl festgelegt worden. Künftig solle nur noch die Zahl der Schülerinnen und Schüler maßgeblich sein, obwohl zum Beispiel auch die Kindergärten ausdrücklich zum Aufgabenbereich der Medienzentren gehörten. "Man kann nicht auf der einen Seite die zunehmende Medienverwahrlosung bei Kindern und Jugendlichen beklagen und andererseits die funktionierende medienpädagogische Arbeit in den Kreisbildstellen zerschlagen." Der Kultusminister stehle sich damit aus seiner medienpolitischen Verantwortung. Nötig sei vielmehr eine Qualifizierungsoffensive für kritische Medienerziehung und keine Kürzung, die manche Kreisbildstelle sogar in der Existenz bedrohe, so die grüne Schulexpertin.
Auch für die in der Jugendarbeit aktiven Vereine sei die geplante Beschränkung der Zuständigkeit der Medienpädagogik ausschließlich auf die Beratung von Schulen ein "Schlag ins Gesicht". "Für die Aufrechterhaltung der Ganztagsangebote an vielen Ganztagsschulen - light sind dem Minister die Vereine gut genug. Aber die Unterstützung der Medienzentren sollen sie nicht in Anspruch nehmen dürfen", kritisierte Korter.
Die Grünen-Politikerin hat Kultusminister Busemann in einem Schreiben aufgefordert, die medienpädagogische Arbeit im bisherigen Umfang aufrechtzuerhalten und vor dem Hintergrund der immer wieder berichteten Gewaltaktionen an Schulen und der erforschten Zusammenhänge mit wahllosem Medienkonsum eine landesweite Qualifizierungsoffensive für kritische Medienerziehung auf den Weg zu bringen.