Grüne legen 10-Punkte-Programm gegen Lehrermangel vor: Lehrereinstellung entbürokratisieren - außerschulische Berufserfahrung nutzen - Unterrichtsqualität sichern
Die Landtagsgrünen haben am (heutigen) Mittwoch ein 10-Punkte-Aktionsprogramm gegen den Lehrermangel vorgelegt. Mit kurzfristigen Maßnahmen sollen alle Potenziale zur Sicherung der Unterrichtsversorgu...
Die Landtagsgrünen haben am (heutigen) Mittwoch ein 10-Punkte-Aktionsprogramm gegen den Lehrermangel vorgelegt. Mit kurzfristigen Maßnahmen sollen alle Potenziale zur Sicherung der Unterrichtsversorgung ausgeschöpft werden. Die Schule solle stärker für so genannte „Dritte“ geöffnet werden, um auch außerschulische Berufserfahrung für den Unterricht zu nutzen. Die pädagogische Qualität des Unterrichtes müsse jedoch bei allen Maßnahmen sichergestellt werden. Dieses Aktionsprogramm werden die Grünen mit einem Antrag auch in die Landtagssitzung der kommenden Woche einbringen.
„Noch heute werden in etlichen Fällen Bewerber und Bewerberinnen von den Schulbehörden aus formalen Gründen nicht eingestellt, obwohl Schulen sie auf Grund ihrer individuellen Qualifikationsprofile gerne beschäftigen würden“, erklärte die schulpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Brigitte Litfin. Das Einstellungsverfahren müsse deshalb entbürokratisiert und flexibilisiert werden. Die Schulen sollten freie Stellen selbst ausschreiben können. Auch die Einstellung von MigrantInnen in den deutschen Schuldienst solle erleichtert werden.
Gezielt sollten diejenigen LehrerInnen angesprochen werden, die in den vergangenen Jahrzehnten in den Schulen nicht eingestellt werden konnten und inzwischen in anderen Feldern wertvolle Berufserfahrungen gesammelt hätten. Für den Fremdsprachenunterricht sollten "native Speakers" angeworben werden. Mit einem Programm „Geld statt Stellen“ solle den Schulen die Einstellung von so genannten „Dritten“ ermöglicht werden, die mit ihren beruflichen Erfahrungen den Schulunterricht bereichern könnten.
Die Qualität des Unterrichtes müsse bei allen Maßnahmen gegen den Lehrermangel gewährleistet werden. „Qualitätsuntersuchungen wie TIMSS haben gerade erst deutlich gemacht, welch hohe Bedeutung die pädagogische und didaktische Qualifikation der Lehrkräfte für den Erfolg des Unterrichtes hat“, sagte Litfin. Vordringlich sei es deshalb, kurzfristig an den Universitäten und Lehrerausbildungsseminaren und bei freien Trägern Fort- und Weiterbildungsangebote für die Quer- und SpäteinsteigerInnen zu schaffen. “Der akute Lehrermangel darf nicht erneut zu pädagogischen Billiglösungen führen“, betonte Litfin.
Der Lehrermangel habe sich in den vergangenen Jahren auch deshalb so schnell verschärft, weil die Zahl der Frühpensionierungen deutlich angestiegen sei. Die Grünen fordern deshalb auch ein Gesundheitsschutzprogramm für die Lehrkräfte, um insbesondere die hohe psychische Belastung besser bewältigen zu können. „Es kann nicht nur darum gehen, möglichst schnell neue Leute in die Schule zu holen, sondern auch die älteren, erfahrenen Lehrkräfte müssen möglichst lange gehalten werden“, forderte Litfin.