Maulkorb für kritischen Journalismus nicht akzeptabel:GRÜNE machen Eklat um Medienpreis Emsland zum Thema im Landtag
„Ein Maulkorb für kritischen Journalismus ist nicht akzeptabel“, sagte die medienpolitische Sprecherin Ursula Helmhold. Offenbar sei eine Berichterstattung über Europas größte Hähnchenschlachterei und die Massentierhaltung als „unliebsam“ eingestuft worden.
Die Grünen wollen die abgesagte Verleihung des Medienpreises Emsland zum Thema im Landtag machen. "Ein Maulkorb für kritischen Journalismus ist nicht akzeptabel", sagte die medienpolitische Sprecherin Ursula Helmhold am Freitag (heute) in Hannover. Offenbar sei eine Berichterstattung über Europas größte Hähnchenschlachterei und die Massentierhaltung vom mit der Preisverleihung befassten Stiftungsrat als "unliebsam" eingestuft worden. Der Versuch, die Rücknahme einer zuvor erfolgten Nominierung mit dem Hinweis auf Formfehler zu begründen, sei mehr als durchsichtig, sagte die Grünen-Politikerin. Angeblich fehlende Unterlagen der betreffenden Journalisten hätten jederzeit nachgereicht werden können. "Wenn lediglich Emsland-Lobhudeleien als preiswürdig erachtet werden, sollte das vorher angesagt werden. Ich bezweifle allerdings, dass sich dann respektable Personen für die Jury finden", sagte Helmhold. Die Vorgänge ließen den Verdacht der Zensur aufkommen und seien für das Image des Landkreises schädlich.
Vier Jurymitglieder des Medienpreises hatten sich in der letzten Woche aus dem Projekt zurückgezogen, weil die vorher benannten Preisträger nicht ausgezeichnet werden sollten. Offenbar ist der kritische Beitrag eines Redakteurs der "Süddeutschen Zeitung" über die größte Hähnchenschlachtanlage Europas in Haaren/Ems bei den Stiftern nachträglich "in Ungnade" gefallen.
Die Grünen wollen jetzt mit einer Kleinen Anfrage wissen, welche Kenntnisse der Landesregierung über diesen Vorgang vorliegen und wie die Entscheidung bewertet wird.