Statement:Grüne: Psychotherapeutische Versorgung stärken, bevor sich psychische Krisen bei Beschäftigten verfestigen
Wer wie die Bundesregierung frühzeitige Behandlung erschwert, nimmt in Kauf, dass Beschwerden chronisch werden und Betroffene länger aus ihrem Alltag und Berufsleben gerissen werden.
Psychische Belastungen führen immer häufiger zu Ausfällen im Beruf. Aktuellen Daten der KKH zufolge kamen im vergangenen Jahr auf einhundert Versicherte etwa 119 Fehltage, die auf akute Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen zurückzuführen waren. Dazu sagt Nicolas Mülbrecht Breer, Sprecher für Arbeit und Psychiatrie der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen:
Die Zahlen der KKH sind ein unüberhörbares Warnsignal. Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen sind inzwischen die häufigste psychische Diagnose bei Berufstätigen und der dritthäufigste Krankschreibungsgrund überhaupt. Immer mehr Beschäftigte geraten psychisch an ihre Grenzen.
Die Pläne der Bundesregierung drohen jedoch, den finanziellen Spielraum psychotherapeutischer Praxen weiter einzuengen. Das passt nicht zu einer Versorgungslage, in der Betroffene vielerorts lange auf einen Behandlungsplatz warten. Nötig sind zusätzliche Kapazitäten und eben bedarfsgerechte Kassenzulassungen. Angehende Psychotherapeut*innen brauchen klare Perspektiven. Vorrang sollten dabei Angebote für junge Menschen und Regionen haben, in denen der Weg zur nächsten Praxis besonders weit ist.
Wer wie die Bundesregierung frühzeitige Behandlung erschwert, nimmt in Kauf, dass Beschwerden chronisch werden und Betroffene länger aus ihrem Alltag und Berufsleben gerissen werden. Wir müssen die psychotherapeutische Versorgung stärken, bevor sich psychische Krisen bei Beschäftigten verfestigen. Die bedenklichen Entwicklungen, die die Statistiken der KKH aufzeigen, dürfen sich nicht fortsetzen.