GRÜNE wollen Schulerlasse aufheben - Freie Bahn für eine Reform von innen und unten
„Vorbild sind für uns die skandinavischen Schulen. Dort gibt es eine viel größere Selbstständigkeit und bekanntlich auch deutlich bessere Ergebnisse“, so Ina Korter.
Die Landtagsgrünen fordern eine "radikale Erweiterung der Gestaltungsfreiräume der Schulen". Es dürfe nicht länger zugelassen werden, dass "überbordende Erlass- und Rechtsvorschriften" verhindern, dass Schulen ihre pädagogische Arbeit modernisieren können, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ina Korter am Donnerstag (heute) in Hannover. "Wir wollen den Weg freimachen für eine Reform der Schule von innen und von unten, sonst bleibt die Eigenverantwortlichkeit auf halber Strecke stehen."
Die Grundstruktur der Arbeit in den Schulen sei schon viel zu lange weitgehend unverändert. "Ohne Modernisierung wird es nicht gelingen, die Jugendlichen auf die Welt von morgen vorzubereiten", sagte die Grünen-Politikerin. Zu diesem Zweck müssten etliche Schulerlasse aufgehoben beziehungsweise den aktuellen Erfordernissen angepasst werden. Die Schulen sollen selbst entscheiden, welche Gestaltungsfreiräume sie in Anspruch nehmen.
Korters konkrete Vorschläge lauten:
- Der 45-Minuten-Takt soll zugunsten des Unterrichts in fächerübergreifenden Projekten aufgehoben werden können.
- Neben dem Unterricht im Klassenverband sollen auch Einzel- und Kleingruppenförderung und die Arbeit in selbstständig lernenden Arbeitsgruppen ermöglicht werden. Auch die Bildung altersgemischter Klassen soll zugelassen sein.
- An die Stelle von Ziffernzensuren sollen neue, differenzierte Lernentwicklungsberichte treten können.
- Schulen soll es freigestellt werden, auf das Instrument des Sitzenbleibens zu verzichten.
"Um ihre pädagogische Arbeit zu optimieren, muss es den Schulen gestattet werden, eigenverantwortlich auch über ihre personellen Ressourcen zu verfügen", sagte Korter. Die Grünen wollen deshalb den Schulen ein Personalbudget einräumen, mit dem sie schrittweise einen eigenen Stellenplan schaffen können. Neue Arbeitszeitmodelle sollen es ermöglichen, die Lehrkräfte flexibel für Klassenunterricht, für Einzel- und Gruppenförderung, für die Beratung von Schülern und Eltern und für andere Aufgaben einzusetzen.
"Lehrerarbeit ist mehr als herkömmlicher Klassenunterricht", erklärte die grüne Schulexpertin. Künftig sollen in der Arbeitszeitverordnung nicht mehr die Unterrichtsstunden pro Woche festgelegt werden, sondern die Gesamtjahresarbeitszeit der Lehrkräfte. "Vorbild sind für uns die skandinavischen Schulen. Dort gibt es eine viel größere Selbstständigkeit und bekanntlich auch deutlich bessere Ergebnisse", so Korter.
Die Vorschläge der Grünen sind in einem Entschließungsantrag zusammengestellt, der in der nächsten Woche dem Landtag zur Beratung vorliegt.