Schwarz-gelbe Auftragsarbeit soll nach 33 Jahren falsche Standortentscheidung wissenschaftlich legitimieren:GRÜNE zu Tiggemanns Geschichte der Gorleben-Entscheidung: Unvollständig, fehlerhaft und politisch motiviert
Der Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Stefan Wenzel hat die so genannte „Expertise“ zum historischen Hintergrund der Gorleben-Entscheidung als „zweifelhaften Versuch der Geschichtsklitterung“ bezeichnet.
Der Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Stefan Wenzel hat die heute (Freitag) vorgestellte so genannte "Expertise" zum historischen Hintergrund der Gorleben-Entscheidung als "zweifelhaften Versuch der Geschichtsklitterung" bezeichnet. Das von Umweltminister Hans-Heinrich Sander und dem Historiker und CDU-Mitarbeiter Anselm Tiggemann präsentierte Papier sei "unvollständig, enthalte falsche Informationen" und würde sich in Teilen mit politischen Interpretationen beschäftigen, die sich vom eigentlichen Gegenstand der Arbeit weit entfernen, sagte der Grünen-Politiker. Die Auftragsarbeit der schwarz-gelben Landesregierung sei erkennbar ein Versuch, "33 Jahre später die falsche Standortscheidung nachträglich wissenschaftlich zu legitimieren. Die Fakten sind andere. So leicht lässt sich die Geschichte nicht neu schreiben!".
"Die Auswahl von Gorleben war politische Willkür" sagte Wenzel. Der seinerzeitige Ministerpräsident Ernst Albrecht habe im Winter 76/77 "wie ein Getriebener agiert". Der Grünen-Politiker verwies auf eine in dieser Woche erschienene umfangreiche Presserecherche die verdeutliche, wie die emsländische CDU damals das Ergebnis des ersten bundesweiten Auswahlverfahrens für ein Atommülllager mit Wiederaufarbeitungsanlage zu Fall gebracht habe. Das Ergebnis des "KEWA-Auswahlverfahrens wurde in die Tonne getreten", sagte Wenzel. Der Salzstock in Gorleben sei von Albrecht "wie Phoenix aus der Asche" gezaubert worden, obwohl er schon viel früher wegen Carnalitt- und Gasvorkommen aus den fachlichen Bewertungen ausgeschieden war.
"Albrecht brauchte keinen geeigneten Salzstock, sondern einen Trumpf im Poker um die Entsorgungsnachweise der Atomkraftwerke", sagte der Grünen-Politiker. "In diesem Punkt waren sich CDU, SPD und FDP damals sehr einig: Sie wollten eine große Zahl von Atomkraftwerken und brauchten zumindest auf dem Papier eine Lösung für die Atommüllfrage!"
Die fehlende geologische Eignung wurde genauso ausgeblendet wie fehlende und problematische Forschungsergebnisse zur Eignung von Salz als Lagermedium", sagte Wenzel.