Hotline des Ministerpräsidenten zum Ausbildungsmarkt - Weil der Wirtschaftsminister versagt muss der Chef ran
Die heute vom Ministerpräsidenten durchgeführte Telefon-Hotline solle nur das Versagen des Wirtschaftsministers überdecken und Aktivität vortäuschen, so Stefan Wenzel.
Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel, hat Ministerpräsident Wulff vorgeworfen, die Lage auf dem Lehrstellenmarkt schön zu reden. Die heute vom Ministerpräsidenten durchgeführte Telefon-Hotline solle nur das Versagen des Wirtschaftsministers überdecken und Aktivität vortäuschen. "Mehr als 20.000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz seien 20.000 zuviel", sagte Wenzel, dessen Fraktion dem Landtag im Juli ein Maßnahmenpaket gegen die Lehrstellenlücke vorgelegt hat.
Die aktuelle Statistik der Bundesanstalt zeige, dass in Niedersachsen derzeit für mehr als ein Drittel der Bewerber offenbar keine Lehrstelle zur Verfügung stehe. Zudem sei die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen (- 4,6 Prozent) deutlich stärker zurückgegangen als die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber auf eine Lehrstelle (- 2,1 Prozent). Ein aktueller Ländervergleich zeige zudem, dass der Rückgang bei den Lehrstellen in Niedersachsen deutlich über dem Bundesschnitt liege. Nur in Thüringen sei die Zahl der Stellen noch stärker zurückgegangen.
Wenn Wulff von 20.000 fehlenden Stellen spreche, sei dass zudem eine sehr optimistische Annahme, so Wenzel, weil in der Regel Stellenangebote und Bewerber nicht Hundertprozentig in Deckung zu bringen seien. Laut Statistik der BA gäbe es derzeit in Niedersachsen 63.221 Bewerberinnen und Bewerber für 40.994 Stellen. Der Bildungsbericht 2006 der Bundesregierung belegt, dass in keinem anderen Bundesland die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz im dualen System so schlecht ist, wie für die Schulabgänger in Niedersachsen. "In Niedersachsen landen 46,2 Prozent der jungen Bewerberinnen und Bewerber in den so genannten Übergangsystemen - das ist eine skandalös hohe Zahl", so Wenzel.