Marina Jalowaja: Engagement der Bürger gibt uns Kraft
Seit 2006 marschieren jeweils am ersten Samstag im August Alt- und Neonazis durch Bad Nenndorf im Landkreis Schaumburg. Marina Jalowaja, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bad Nenndorf: „Es ist schrecklich, dass heute immer noch Nazis aufmarschieren und dass jüdische Friedhöfe geschändet werden, wie auch in unserer Region geschehen.“
Darum geht’s
Seit 2006 marschieren jeweils am ersten Samstag im August Alt- und Neonazis durch Bad Nenndorf im Landkreis Schaumburg. Ihr Ziel ist das Wincklerbad. Hier hat der britische Geheimdienst vom Sommer 1945 bis zum Sommer 1947 Menschen interniert, die im Verdacht standen, das Naziregime gestützt zu haben. Dutzende Gruppen aus Bad Nenndorf und der Region treten dem braunen Spuk mit sehr lautem und besonders buntem Protest entgegen. Auch die Grünen-Fraktion wird mit zahlreichen Abgeordneten und Mitarbeitern vor Ort sein.
Das sagen die Grünen
Die Grünen-Fraktion lässt an dieser Stelle einen besonderen Gast zu Wort kommen. Marina Jalowaja ist Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Bad Nenndorf, die etwa 100 Mitglieder stark ist. Einige Mitglieder haben die Naziherrschaft von 1933 bis 1945 selbst durchlitten, viele hatten Verwandte, die in Ghettos und Gaskammern umgekommen sind.
„Durch Erlebtes und Erzähltes ist der Schrecken des Holocaust in unserer Gemeinde lebendig. Umso schlimmer finde ich, dass einmal im Jahr braune Horden durch Bad Nenndorf ziehen.“
„Es ist schrecklich, dass heute immer noch Nazis aufmarschieren und dass jüdische Friedhöfe geschändet werden, wie auch in unserer Region geschehen.“
„Was Nenndorfer Bürger und Unterstützer von außerhalb in den vergangenen Jahren auf die Beine gestellt haben, um alte und neue Nazis in die Schranken zu weisen, erfüllt mich dagegen mit Freude. Dieses Engagement gibt der jüdischen Gemeinde Kraft, sich nicht zu verstecken.“
„Sollten die Gerichte verhindern, dass die Nazis an unserem Gemeindehaus vorbei bis zum Wincklerbad marschieren, wäre das ein Sieg für alle Demokraten. Das Ziel des Protests muss allerdings lauten, dass Nazis gar nicht in Nenndorf marschieren dürfen, weder auf Haupt- noch auf Nebenwegen.“
Zum Hintergrund
Warum marschieren Nazis durch Nenndorf? Wie ist der Widerstand gegen den Aufmarsch entstanden? Die Grünen-Fraktion weist in diesem Zusammenhang auf einen Film hin, den die Evangelische Kirchengemeinde Obernkirchen in Auftrag gegeben hat. An Finanzierung und Realisierung haben sich das Bürgerbündnis „Bad Nenndorf ist bunt“, die Bürgerstiftung Schaumburg, die Landeskirche Hannover und der Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg beteiligt. Zu finden ist der Film in einer 9- und in einer 21-Minuten-Version unter www.naziaufmaersche.de.