Künstliche Elbinsel zur Ablagerung von Hafenschlick:Naturschutzangebot der Hamburger Hafenbetreiber Ablenkungsmanöver
„Mit dem Angebot, die eigenen ökologischen Sünden der Vergangenheit in den nächsten 100 Jahren wieder gut zu machen, soll die Akzeptanz für die nächsten kurzfristig geplanten Eingriffe erkauft werden"
Mit einer parlamentarischen Anfrage wollen die Landtagsgrünen die Position der Landesregierung zur künftigen Entwicklung der Unterelbe hinterfragen. Anlass ist das Angebot des Hamburger Hafenbetreibers "Hamburg Port Authority" (HPA), künftig mit dem Naturschutz und anderen Interessengruppen bei der Entwicklung des Elbeästuars im Rahmen eines Natura-2000-Managements eng zusammen zu arbeiten. Dem stehen die Grünen skeptisch gegenüber. "Eine breite Kooperation ist sicher erforderlich. Aber wer dem HPA praktisch die Federführung dafür überlässt, macht den Bock zum Gärtner", sagte der Abgeordnete Hans-Jürgen Klein aus Cuxhaven. "Solange Hamburg die Elbvertiefung unabhängig von diesem Entwicklungsprozess vorantreibt, ist dieses Angebot zur Zusammenarbeit im Übrigen nicht sehr glaubwürdig und erscheint eher wie ein Ablenkungsmanöver."
HPA wirbt seit einiger Zeit mit einem Konzept zur Entwicklung des Elbeästuars, das die "Versöhnung von Naturschutz und Strombau" verspricht. Die Rede ist von neuen künstlichen Inseln zur Einengung des Mündungsgebietes, von vergrößerten Fluträumen und neuen Flachwasserzonen.
"Mit dem Angebot, die eigenen ökologischen Sünden der Vergangenheit in den nächsten 100 Jahren wieder gut zu machen, soll die Akzeptanz für die nächsten kurzfristig geplanten Eingriffe erkauft werden," kritisierte der Grünen-Politiker. Klein erinnert daran, dass Hamburg die neuen Vertiefungspläne forciert, obwohl die Ausgleichsmaßnahmen für die letzte Fahrrinnenvertiefung 1999 noch nicht einmal durchgeführt sind und die Auflagen zur Beweissicherung der Folgen nur ungenügend umgesetzt wurden.
Die Anlage neuer Inseln im Strom sehen die Grünen eher als ein Instrument für die "preiswerte Unterbringung des Hamburger Hafenschlicks", dessen Baggergutmengen sich seit der letzten Elbvertiefung verdreifacht haben. "Dass mit der geplanten Neuerschaffung des Elbeästuars auch ökologische Verbesserungen erreicht werden, ist nichts weiter als eine unbewiesene Behauptung", erklärt Klein.