Pressemeldung Nr. 53 vom

Fraktionssondersitzung in Bergen-Belsen:Piel: Auch 70 Jahre nach der Befreiung gilt: Erinnern ist nicht genug – wir brauchen die Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Antiziganismus

„Wir sind es den Opfern des Nationalsozialismus schuldig, mit Hilfe der Gedenkstättenarbeit dazu beizutragen, dass ihr Angedenken gewahrt wird. Erinnern allein ist aber nicht genug – wir brauchen die Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Antiziganismus und der deutschen Geschichte“, so Anja Piel.

Darum geht’s

Die Landtagsgrünen haben heute (20. April) anlässlich des 70. Jahrestages zur Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen eine Erklärung gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit verabschiedet. Während der heutigen Fraktionssondersitzung in Bergen-Belsen fand dazu ein Austausch mit Dr. Jens-Christian Wagner (Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen), Dr. Michael Fürst (Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden) sowie Siegfried Franz und Boris Erchenbrecher (Niedersächsischer Verband Deutscher Sinti) statt.

Das sagen die Grünen

Anja Piel, Fraktionsvorsitzende

„Wir sind es den Opfern des Nationalsozialismus schuldig, mit Hilfe der Gedenkstättenarbeit dazu beizutragen, dass ihr Angedenken gewahrt wird. Erinnern allein ist aber nicht genug – wir brauchen die Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Antiziganismus und der deutschen Geschichte.“

„Es bleibt eine zentrale Herausforderung für unsere Politik, der Ausgrenzung und Diskriminierung von Minderheiten und Religionsgemeinschaften entgegenzuwirken. Wir engagieren uns daher für das geplante ‚Landesprogramm gegen Rechtsextremismus – für Demokratie und Menschenrechte‘ sowie für die Koordinierungsstelle für politische Bildung und Medienkompetenz. Mit politischer Bildung und Gedenkstättenarbeit schaffen wir ein kritisches Geschichtsbewusstsein, das Einflüssen von Rechts nachhaltig den Nährboden für menschenverachtende Ideologie entziehen kann.“

„Der Völkermord an den Sinti und Roma ist ein leidvolles Stück Geschichte, das keineswegs überwunden ist, sondern nach wie vor als ‚vergessener Holocaust‘ gilt. Auch deshalb setzen wir uns für einen Staatsvertrag mit den Sinti und Roma nach baden-württembergischen Vorbild ein.“

Zum Hintergrund

Mit den Nürnberger Rassengesetzen von 1935 wurde eine Politik der Ausgrenzung und Verfolgung von Juden, Roma und Sinti und von Menschen mit schwarzer Hautfarbe eingeleitet. Juden und so genannte „Zigeuner“ wurden als „fremdrassig“ definiert, um sie ihrer Rechte, ihrer Menschenwürde zu berauben. Dem Völkermord an den Sinti und Roma fielen mehrere hunderttausend Menschen zum Opfer. In Deutschland und Österreich wurden mehr als 90 Prozent der Sinti und Roma Bevölkerung vernichtet.

 

Erklärung anlässlich des 70. Jahrestages zur Befreiungdes Konzentrationslagers Bergen-Belsen

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