Bereits im März erhöhte Radioaktivität gemessen:Umweltministerium muss sofort über Brennelementeschäden im AKW-Grohnde aufklären
"Jetzt muss geklärt werden, welche Informationen der zuständige Abteilungsleiter und der Staatssekretär zu diesen Zeitpunkten hatten und warum die Öffentlichkeit nicht früher informiert wurde. Möglicherweise wurde eine bewusste Desinformation betrieben", so Stefan Wenzel.
Der Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Stefan Wenzel hat das Niedersächsische Umweltministerium aufgefordert, umgehend über Brennelementeschäden im AKW Grohnde aufzuklären. Offenbar sei bereits im März eine erhöhte Radioaktivität im Primärkreislauf des Atomkraftwerkes gemessen worden, sagte der Grünen-Politiker heute (Donnerstag). Wenzel warf dem Umweltministerium in diesen Zusammenhang eine "haarsträubende Informationspolitik" vor. "Erst vor drei Tagen hat Minister Sander in einer bis zur Unkenntlichkeit verklausulierten Meldung über die turnusmäßige Revision des AKW auf veränderte Messergebnisse hingewiesen."
Ein ähnlicher Schaden an einem Brennelement habe erst vor wenigen Tagen im AKW Tsuruga (Japan) zu einer Kraftwerksabschaltung geführt, um Schäden oder Freisetzungen von Radioaktivität zu vermeiden.
Der Grünen-Politiker hat sich schriftlich an den Staatssekretär des Umweltministeriums gewandt und eine sofortige Unterrichtung gefordert. "Wir wollen wissen, wann genau die erhöhten Radioaktivitätswerte erstmals auftraten, an welchem Ort im Kraftwerk gemessen wurde, wie die aktuellen Messwerte aussehen, wie hoch die Normalwerte und wie hoch die Grenzwerte sind. Außerdem erwarten wir schriftliche Informationen zur Ursache, zur Klassifikation nach INES und zu geplanten Maßnahmen."
Wenzel wies darauf hin, dass es seit März zwei Unterrichtungen zur Reaktorsicherheit im Umweltausschuss gegeben habe. "Auf keiner dieser Sitzungen hat es das Ministerium für nötig gehalten, den Fachausschuss zu informieren! Jetzt muss geklärt werden, welche Informationen der zuständige Abteilungsleiter und der Staatssekretär zu diesen Zeitpunkten hatten und warum die Öffentlichkeit nicht früher informiert wurde. Möglicherweise wurde eine bewusste Desinformation betrieben."