Palliativmedizin und Freitodhilfe nicht gegeneinander ausspielen:Verbotsdrohung gegen Dignitas ist "unüberlegte Reaktion konservativer Rechtspolitik"
Als "unüberlegte Reaktion der konservativen Rechtspolitik" kritisierte der rechtspolitische Sprecher der Landtagsgrünen Ralf Briese heute (Freitag) die Verbotsdrohung der niedersächsischen Justizminis...
Als "unüberlegte Reaktion der konservativen Rechtspolitik" kritisierte der rechtspolitische Sprecher der Landtagsgrünen Ralf Briese heute (Freitag) die Verbotsdrohung der niedersächsischen Justizministerin gegen die Sterbehilfeorganisation Dignitas. "Anstatt eine breite Diskussion über ein existenzielles gesellschaftliches Problem wie ein menschenwürdiges Sterben zuzulassen, droht Frau Heister-Neumann mit dem Strafgesetzbuch."
Auch die guten Erfolge in der Palliativmedizin in Deutschland könnten vielen Menschen die Angst vor einem qualvollen und unwürdigen Tod nicht nehmen. "Diese Menschen brauchen Hilfe und Beratung sowohl in medizinischen als auch in rechtlichen Fragen", sagte Briese. "Symbolische Politik und Scheinlösungen durch Strafandrohungen sind da keine Lösung."
Der Grünen-Politiker spricht sich für einen weiteren Ausbau der Palliativmedizin und der Hospize aus und fordert auch die konsequente Anerkennung von Patientenverfügungen. Die Palliativmedizin und die Freitodhilfe dürften aber nicht gegeneinander ausgespielt werden, sondern hätten beide ihre Berechtigung.
Briese: "Die Diskussion um Sterbehilfe wird nach wie vor sehr emotional und interessengeleitet geführt. Die grundgesetzlich verbürgte Freiheit und Würde des Menschen verträgt aber weder einen politischen noch einen kirchlichen Paternalismus."