Viele wollen sich für ein Bleiben der Merovcis stark machen - Gut besuchte Veranstaltung der Grünen in der Süderwischschule/Gegensatz von gesetzlichen Regelungen und von Menschlichkeit beklagt
Cuxhavener Nachrichten/mr. - Etwa 70 Menschen kamen am Montag in die Süderwischschule, um ihre Solidarität mit der seit elf Jahren im Stadtteil Süderwisch wohnenden Familie Merovci zum Ausdruck zu bri...
Etwa 70 Menschen kamen am Montag in die Süderwischschule, um ihre Solidarität mit der seit elf Jahren im Stadtteil Süderwisch wohnenden Familie Merovci zum Ausdruck zu bringen. Wie die CN ausführlich berichteten, hatte der niedersächsische Landtag kurz vor Weihnachten 2004 eine Petition für ein Bleiberecht der Familie aus dem Kosovo zurückgewiesen und damit Entsetzen und Unverständnis hervorgerufen.
Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen hatte die Veranstaltung unter die Frage gestellt, wie human unser Bleiberecht ist. Filiz Polat, Landtagsabgeordnete der Grünen, die im Dezember Fürsprecherin der Merovcis im Landtag war, erläuterte die rechtliche Lage und berichtete über den Fall der Iranerin Kameli, der gezeigt habe, dass persönliches Engagement und starker öffentlicher Druck durchaus zu einer Veränderung einmal gefasster Beschlüsse führen könne.
Kimete und Driton Merovci schilderten ihr Leben hier in Cuxhaven, ihre dauernde Angst vor der Abschiebung und die schwierige Situation ihrer Kinder, die hier aufgewachsen seien und nun in ein Land gebracht werden sollten, das sie nicht kennen und dessen Sprache sie kaum verstehen. Doris Sörgel, Leiterin der Kindertagesstätte der Gnadenkirche, kritisierte den unterschiedlichen Umgang mit Härtefällen in den Bundesländern, aber auch, dass Menschen, die selbst für ihren Lebensunterhalt sorgten, Steuern und Sozialabgaben zahlten, abgeschoben werden sollten, nachdem man sie jahrelang über ihren Status im Unklaren gelassen habe. Doris Sörgel machte sich für eine am Wohl der Kinder orientierte Härtefallregelung stark.
Gegen christliche Grundsätze
Hans-Christian Engler, Pastor der Gemeinde Gnadenkirche, stellte den Gegensatz von gesetzlichen Regelungen und von Menschlichkeit heraus. Menschen elf Jahre lang immer wieder Hoffnung zu machen und sie dann einfach fortschicken zu wollen, widerspreche allen christlichen Grundsätzen. Mangelnde Menschlichkeit hat auch Filiz Polat im Petitionsausschuss beobachtet. Bei im Schnitt dreißig Fällen je Sitzung würden die Besonderheiten des Einzelfalles allzu oft verloren gehen.
In der weiteren Diskussion, in der sich Arbeitskolleg/innen, Sportfreunde aus Sahlenburg und von Rot-Weiss, Lehrkräfte der Süderwischschule und Volker Demuth als Vorsitzender des Schulelternrates äußerten, wurde die breite Solidarität deutlich, aber auch das Unverständnis, dass eine Familie, die niemandem "auf der Tasche" liegt, die gut integriert ist (der Vater arbeitet ehrenamtlich als Fußballtrainer, die Tochter ist Klassensprecherin), nach dem Willen der Landespolitiker hier nicht mehr leben soll. Alle waren sich einig, dass weiterhin alle Wege versucht werden sollten, um den Merovcis ein Bleiberecht zu verschaffen.