Vogelgrippe Anlass für Jagd auf seltene Entenarten - Grüne: Skandalöse Übertreibung
Die in Asien grassierende Vogelgrippe nimmt die niedersächsische Landesregierung zum Anlass, in mehreren Landkreisen die Jagd auf extrem bedrohte Entenarten zu erlauben. Mit einem an 11 Landkreise, di...
Die in Asien grassierende Vogelgrippe nimmt die niedersächsische Landesregierung zum Anlass, in mehreren Landkreisen die Jagd auf extrem bedrohte Entenarten zu erlauben. Mit einem an 11 Landkreise, die Stadt Emden und die Region Hannover gerichteten Schreiben des Landwirtschaftsministeriums von Mitte September werden die Unteren Jagdbehörden gebeten, die größtenteils ganzjährig bestehenden Schonzeiten für sechs Entenarten vom 20. September bis zum 15. Januar aufzuheben.
Als Vorsorgemaßnahme gegen die Ausbreitung der Geflügelpest sollen in den Landkreisen Wesermarsch und Friesland insgesamt 75 der seltenen Enten von den Jägern abgeschossen werden.
Die Grünen halten die Maßnahmen für eine "skandalöse Übertreibung". Die meisten Arten seien bestandsgefährdet, mit Knäkente und Spießente seien sogar 2 vom Aussterben bedrohte Arten zum Abschuss freigegeben, teilten die Grünen-Landtagsabgeordneten Ina Korter (Nordenham) und Hans-Joachim Janßen (Varel) mit. "Fachleute halten diese Maßnahme für völlig sinnlos. Die bei uns durchziehenden oder überwinternden Entenarten kommen überwiegend noch nicht einmal aus den von Geflügelpest gefährdeten Gebieten, sondern aus Skandinavien. Es ist nicht akzeptabel, wenn Landwirtschaftsminister Ehlen die Gunst der Stunde nutzt, um jetzt das Feuer auf seltene Vogelarten zu eröffnen," sagte Hans-Joachim Janßen.
Die verschiedenen Arten seien im Winterkleid noch nicht einmal von versierten Ornithologen eindeutig zu unterscheiden, erklärten die Grünen. Jäger, für die diese nicht jagdbaren Arten bisher kaum von Interesse gewesen seien, hätten damit sicher noch größere Schwierigkeiten.
Für Ina Korter ist außerdem nicht hinnehmbar, dass durch die Bejagung auch Schutzgebiete häufig beunruhigt werden. "Die seltenen Arten sitzen doch nicht auf dem Dorfteich. Sie kommen in hochsensiblen Gebieten vor. Jede Beunruhigung bedeutet, dass viele Tiere aufgescheucht werden und in der ohnehin nahrungsarmen Jahreszeit die überlebenswichtigen Energiereserven verbrauchen", erklärte die Grünen-Politikerin.