Pascal Mennen: Rede zur Akt. Stunde (GRÜNE): Gute Schule made in Niedersachsen
TOP 20b - Aktuelle Stunde (GRÜNE): Gute Schule made in Niedersachsen: Oberschule Berenbostel zeigt, wie Freiräume Schulen Flügel verleihen
- Es gilt das gesprochene Wort -
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Abgeordnete,
kennen Sie Theo und Lea?
Sie sind die heimlichen Stars der Oberschule Berenbostel, die gerade einen Deutschen Schulpreis gewonnen hat. An dieser Stelle zuallererst meinen herzlichen Glückwunsch an alle Schüler*innen, Lehrkräfte und Mitarbeitenden der Schule. Schön, dass Sie unserer Einladung gefolgt und heute mit einer Delegation der Schule hier sind! Sie haben eine Schule geschaffen, die hoffentlich in Niedersachsen Schule machen wird.
Was ist das Besondere? Theo und Lea sind nicht Teil der Delegation, sie sind Figuren, die nicht nur das Prinzip der Schule anschaulich auf der extrem lesenswerten Homepage erklären. Ihre Namen stehen für zwei Grundgedanken des Lernens der Schule und ebenso für zwei Leitgedanken unserer Schulpolitik.
THEO steht für Themenorientierten Unterricht und
LEA für den Lern-Entwicklungs-Austausch.
Das heißt, an der Oberschule Berenbostel wird nicht entlang von Fächern, sondern übergreifend anhand von Themen gelernt und das nach individuellem Lernstand, also im eigenen Tempo. Entfalten können sich Konzepte wie Theo und Lea in den Freiräumen, die unsere Schulpolitik ihnen gibt.
Sehr geehrte Abgeordnete,
diese Neuausrichtung der Schule wurde ausgezeichnet von Bundeskanzler Friedrich Merz, der in seiner Rede ausdrücklich Bildungskonzepte lobte, die etwas Neues ausprobieren wie das selbständige Lernen. Wir haben hier schon häufiger für diese Selbständigkeit und Individualisierung geworben, und ich frage mich, wie sich das für Sie, liebe Abgeordnete der CDU, anhören mag, da Sie doch quasi alle nennenswerten Neuerungen aus diesem Konzept abgelehnt und als „Leistungsverfall“ gebrandmarkt haben?
Sehr geehrte Abgeordnete,
wir haben mit dem Freiräume-Prozess eine Tür für jene Schulen in Niedersachsen geöffnet, die Schul- und Unterrichtsentwicklung vorantreiben und an die ganz speziellen Begebenheiten und Möglichkeiten vor Ort anpassen wollen. Das Ministerium als oberster Dienstherr setzt dabei auf Vertrauen. Niemand kennt sich vor Ort besser aus als die Menschen vor Ort.
Die OBS Berenbostel zeigt, wie Freiräume Schulen Flügel verleihen. Ein solcher Prozess ist mit viel harter Arbeit und Energie verbunden, die alle in Berenbostel in einen etwa zehn Jahre dauernden Prozess gesteckt haben. Unseren Freiräumeprozess gibt es erst seit vier Jahren, aber ich konnte eben schon mit der Delegation sprechen, und man sagte mir, dass unsere Freiräume nicht nur Rückenwind gegeben, sondern auch Rechtssicherheit für die pädagogisch-didaktischen Ideen der Expert*innen vor Ort geschaffen haben, und das zu hören, freut mich ungemein.
Denn, liebe Kolleg*innen,
früher mussten Lehrkräfte gegen Gesetze verstoßen, um gute, moderne Schule zu machen. Schulen in Niedersachsen haben fast ausschließlich Schulpreise für Konzepte und Ideen bekommen, die sie laut Gesetzes- oder Erlasslage gar nicht hätten umsetzen dürfen, und das hemmt natürlich ungemein. Wir wollen deshalb Freiräume statt Fesseln.
In anderen Bundesländern gibt es diese Freiräume so noch nicht, und so schreiben Lehrkräfte und Schulleitungen zu unseren Freiräumen in einer bundesweiten Chat-Gruppe, in der ich mitlese, ich zitiere: "Neid geht nach Niedersachsen", "Wir machen das so ähnlich, darf aber niemand wissen." Oder: “Endlich mehr Möglichkeiten und Gerechtigkeit.”
Sehr geehrte Kolleg*innen,
im Freiräume-Prozess wurden nicht nur sämtliche Erlasse geändert, die curricularen Vorgaben entschlackt und neue gesetzliche Möglichkeiten geschaffen, wir unterstützen die Beteiligten auch durch ein unkompliziertes Innovationsbudget, weil eben auch Geld für neue Konzepte benötigt wird; durch ein Hospitationsprogramm, weil eben nicht jede Schule das Rad komplett neu erfinden muss, und durch das schlankeste Antragsverfahren, das Schule vermutlich jemals gesehen hat. Damit sind wir aber noch nicht am Ende, ich verspreche, da kommt noch mehr. Und weil Erneuerung auch Ressourcen braucht und Lehrkräfte und Schulleitungen oft am Limit sind, gehen wir mit dem größten Aufwuchs an finanziellen Ressourcen der letzten Jahrzehnte, 5600 neuen Lehrkräften und vielen Hundert neuen Schulsozialarbeiterstellen und multiprofessionellem Personal in die Unterstützung und bauen gleichzeitig die Evaluation aus. So geht Innovation.
Dieser Preis für die OBS Berenbostel ist nicht einfach nur ein weiterer schöner Schulpreis. Er ist – erstens – eine Auszeichnung für harte Arbeit an der Schule mit einem Paradigmenwechsel, der Schule neu denkt – und zwar, weil wir besser werden wollen und müssen.
Und – zweitens – ist dieser Preis eine Aufforderung an alle Schulen in Niedersachsen: Macht mit. Traut Euch- Gestaltet Eure Schule. Vom Land gibt es Rückenwind.
„Ausgezeichnet“ soll der neue Standard werden.