Stephan Christ: Rede zur Technologieoffenheit

Rede Stephan Christ© Plenar TV

TOP 13 - Technologieoffen, sicher, vernetzt - für eine moderne Logistik und einen zukunftsfähigen Personenverkehr

- Es gilt das gesprochene Wort -

(Anrede)

„Die Transformation des Verkehrssektors hin zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit ist eine zentrale Herausforderung der kommenden Jahre.“ Damit beginnt der Antrag der CDU, den wir hier abschließend beraten. Fair enough, da sind wir uns einig. Und auch zum Beispiel eine intermodale Logistikstrategie ist sehr richtig – wird aber schon durchs Ministerium umgesetzt.

Gleichzeitig atmen Ihre Antworten auf die beschriebenen Herausforderungen immer und immer wieder zu allererst den Geist der Technologieoffenheit als Lösung. Dazu wurden wir vom Ministerium unterrichtet, und wir haben dazu im Ausschuss beraten.

Und bei dem Thema habe ich ein Deja-vu. Da fällt mir ein Märchen der Gebrüder Schlimm ein…

„Es war einmal ein reiches Land, berühmt für seine Wagen und die Kunst seiner Ingenieur*innen. Doch die Wagen verbrannten schwarzes Öl, und jedermann wusste, dass dies nicht ewig so weitergehen konnte.

Die Wagen waren stark und schnell, doch sie machten großen Lärm, verpesteten die Luft und fraßen einen kostbaren Saft, den man von weit her ins Land bringen musste. Und niemand wusste, ob und wie lange dieser Saft noch so verlässlich fließen würde.

Da versammelte der Herrscher seine Berater*innen.

„Wir müssen die Wagen von morgen bauen“, sprach er.

Der erste Berater sagte: „Lasst sie mit Batterien fahren.“

Der zweite sprach: „Spannt Oberleitungen über die Straßen, damit selbst die schwersten Lastwagen Strom erhalten.“

Der dritte pries Wasserstoff, der vierte neue Kraftstoffe.

Da erhob sich der älteste Berater: „Und was ist mit dem Weg, den wir heute noch gar nicht kennen? Vielleicht kommt morgen eine Erfindung, weit besser als alles, was wir heute zu bauen vermögen. Diesen Weg dürfen wir nicht versperren. Unser Gebot muss Technologieoffenheit heißen.“

Das gefiel dem Herrscher. So gab er Gold für Batterien, Wasserstoff, neue Kraftstoffe und Oberleitungen – und hielt etwas zurück für den unbekannten Weg.

In einem fernen Land aber wartete man nicht. Dort setzte man auf Batterien und baute elektrische Wagen zu Millionen. Sie wurden immer besser und billiger.

„Sollen wir es ihnen gleichtun?“, fragten die Ingenieur*innen.

„Nur Geduld“, mahnten die Berater*innen. „Vergesst den unbekannten Weg nicht! Technologieoffenheit!“

Bald verlangten die Menschen elektrische Wagen – und diese kamen aus der Ferne.

„Wie konnten sie uns überholen?“, fragte der Herrscher.

Da sprach ein alter Ingenieur:

„Wir haben auf alle Wege gesetzt, Herr – am meisten aber auf einen, den es nicht gab.“

Und um sie herum rollten noch immer die alten Wagen wie eh und je.“

Liebe Kolleginnen und Kollegen 

Lassen Sie uns nicht sein wie der Herrscher im Märchen von der Technologieoffenheit. Lassen Sie uns heute die Wege für morgen einschlagen, die uns schon eindeutig offen stehen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann warten sie noch heute technologieoffen auf den unbekannten Weg.

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