"Im Landtag ist immer alles unter Dampf" Grünen-Abgeordnete Ursula Helmhold zieht Halbjahres-Bilanz / Schon sieben Mal am Rednerpult
Schaumburger Zeitung/Rinteln/Landkreis (ssr). Überrascht worden ist Ursula Helmhold vom "rasenden Tempo des Tagesgeschäfts" im Landesparlament. "Dass da immer alles unter Dampf ist, war eine neue Erfa...
Rinteln/Landkreis (ssr). Überrascht worden ist Ursula Helmhold vom "rasenden Tempo des Tagesgeschäfts" im Landesparlament. "Dass da immer alles unter Dampf ist, war eine neue Erfahrung für mich", erzählt die Grünen-Landtagsabgeordnete aus Rinteln bei einem Redaktionsgespräch nach ihrem ersten Halbjahr im niedersächsischen Landtag.
Der Druck, sich in Windeseile auch in fremde Sachverhalte einarbeiten zu müssen, gelte besonders für Mitglieder der kleinen Fraktion der Grünen: "Wir sind wenige, müssen uns viel aufteilen, da gibt es keine Schonfrist." Ihr Rezept: "Ich musste sehr schnell lernen, Prioritäten zu setzen, zu sortieren, zu delegieren."
Doch das eröffnet auch Chancen, die zu ergreifen der quirligen Rintelnerin spürbar Freude bereitet. "Gleich in der ersten Plenumssitzung musste ich zwei Mal ans Rednerpult", erinnert sie sich mit blitzenden Augen an den März. Inzwischen hat sie dort schon sieben Mal gestanden und Beiträge geliefert – das schaffen manche Kollegen in drei Jahren nicht.
"Freundlich aufgenommen" worden sei sie in ihrer eigenen Fraktion, die allerdings zur Hälfte aus Neulingen, wie sie selbst einer ist, besteht. "Manchmal, wenn die Alten sich zu sehr in Rage reden, stoppen wir sie halt", fügt Helmhold an. Aus den anderen Fraktionen werde man als Neuling "auffallend aufmerksam beobachtet", hat sie wahrgenommen: "Klar, die sind neugierig, wer man denn so ist, was sie von einem zu erwarten haben." Manches "Feedback" ("Dem haben Sie es aber gegeben, toll") werde unter vier Augen sehr direkt geäußert.
Dass Helmhold rasch zur sozialpolitischen Sprecherin der Grünen-Fraktion geworden ist, hat seinen Hintergrund in ihrem bisherigen Hauptberuf. Bis zu ihrem Einzug in den Landtag war sie stellvertretende Leiterin der Fachschule Altenpflege in Stadthagen und führte zudem eine private Beratungsfirma für die Qualitätsssicherung und -steigerung im Pflegebereich.
Besonderen Gestaltungswillen als Sozialpolitikerin empfindet sie in der Bewältigung des demografischen Wandels. Ihr gehe es etwa um die Frage: "Wie schaffen wir es, dass möglichst viele ältere Leute möglichst lange zu Hause bleiben können?" Mit welchen Lebens- und Wohnformen kann raumplanerisch auf die älter werdende Gesellschaft reagiert werden? "Ich habe hier keine fertigen Antworten, aber Ideen und Lösungsansätze schon – besonders hier möchte ich politisch gestaltend tätig werden", nimmt sie sich für die kommenden Jahre einiges vor.
Ihr Rintelner Stadtrats-Mandat will Helmhold behalten. "Das geht, weil ich in die Sachverhalte da aus langer Erfahrung sehr gut eingearbeitet bin." Zwar betreibt die verheiratete Mutter zweier erwachsener Kinder leidenschaftlich gerne Politik, betrachtet ihr Landtagsmandat auch uneingeschränkt als "professionellen Job". Gleichzeitig will sie aber darauf achten, "davon nicht grenzenlos aufgefressen zu werden". Sie weiß: "Wenn man nicht bewusst darauf achtet, hat man zum Beispiel bald kein einziges privates Wochenende mehr." So weit solle es bei ihr nicht kommen, nimmt sie sich vor.