
Jedes Jahr werfen wir in Deutschland Unmengen an Elektrogeräten weg, weil der Akku des Handys nicht mehr lange hält, die Waschmaschine einen kleinen Defekt hat etc. Oft wären solche Geräte eigentlich noch zu retten, doch eine Reparatur ist für uns zu aufwendig, kompliziert oder zu teuer. Ersatzteile kosten häufig viel Geld, Spezialwerkzeug ist nicht einfach und günstig zu finden und oft fehlt das nötige Fachwissen. Deshalb ist Wegwerfen und Neukaufen häufig die einfachste und günstigste Lösung. So sollte es aber nicht sein! Nicht nur ist das ein ökologisches Problem, sondern auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Zwar ist Neukaufen im Allgemeinen günstiger, doch das hängt auch von der finanziellen Lage der Menschen ab. Uns ist daher wichtig, dass jeder seine Geräte so lange wie möglich nutzen kann, ohne einen finanziellen Rückschlag zu erleiden. Produkte sollten länger halten, reparierbar sein und möglichst lange genutzt werden können.
Hilfe vor Ort: Repair Cafés
Repair-Cafés sind Orte, die mit Hilfe qualifizierter Freiwilliger und der Bereitstellung von Spezialwerkzeug wie 3D-Druckern dabei helfen, Hürden bei der Reparatur zu überwinden. Die Unterstützung von Repair-Cafés ist daher nicht nur im Interesse der Umwelt und der Gesellschaft, sondern auch ein Schritt in Richtung einer nachhaltigeren, sozial verantwortlicheren Zukunft. Wir haben zur Förderung von Repair Cafés daher 2025 einen Antrag eingebracht, der vom Ministerium für Vebraucherschutz auch umgesetzt worden ist.
Nachhaltig und günstig: Gemeinsam reparieren statt neu kaufen! Eine Liste aller Orte dafür in Niedersachsen findet sich >>>hier<<<
Ein Lösungsansatz für besseren Zugang zu Reparaturen sind Repair Cafés und andere Reparaturinitiativen. In Niedersachsen gibt es inzwischen mehr als 200 davon, in denen Ehrenamtliche helfen, kaputte Alltagsgegenstände wie Elektrogeräte, Fahrräder oder Kleidung wieder in Gang zu bringen. Uns motiviert besonders, dass es dabei um mehr als Technik geht. Repair Cafés schaffen Orte der Nachbarschaftshilfe, des Wissenstransfers und des gesellschaftlichen Miteinanders. Menschen geben ihr handwerkliches Wissen weiter, helfen sich gegenseitig und lernen, Dinge selbst zu reparieren. Gerade deshalb verdienen die vielen Ehrenamtlichen unsere Anerkennung, vor allem aber verlässliche politische Unterstützung.
Genau hier haben SPD und Grüne im Landtag angesetzt. Mit der politischen Liste konnten wir 400.000 Euro für die Förderung von Repair Cafés im niedersächsischen Haushalt 2025 bereitstellen. Gefördert wurden unter anderem Werkzeuge, Ersatzteile, Ausstattung, Fortbildungen, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit. Pro Initiative konnten bis zu 3.570 Euro beantragt werden. Die Nachfrage war groß. 115 Anträge gingen ein, knapp 315.000 Euro wurden bewilligt. Mehr als 200 Reparaturinitiativen zeigen, dass die Menschen reparieren wollen statt wegzuwerfen. Unsere Aufgabe ist daher, das zu ermöglichen und die Ehrenamtlichen dabei verlässlich zu unterstützen.
Die Förderung der Repair Cafés ist wichtig, löst aber nicht das grundlegende Problem der zu teuren professionellen Reparaturen. Deshalb setzen wir uns bereits seit 2023 für einen Reparaturbonus in Niedersachsen ein. Wer ein defektes Gerät reparieren lässt, soll einen Teil der Kosten zurückbekommen. So wird Reparieren finanziell attraktiver, Geräte können länger genutzt, Elektroschrott reduziert und das regionale Reparaturhandwerk gestärkt werden. Denn es darf nicht sein, dass ein neues Gerät günstiger ist als eine Reparatur. Wer reparieren will, darf nicht am Preis scheitern.
2024 hat die Europäische Union das Recht auf Reparatur beschlossen. Seit dem 31. Juli 2026 gelten in Deutschland neue Regelungen für bestimmte neu gekaufte Produkte wie Waschmaschinen, Kühlschränke, Fernseher, Smartphones und Tablets. Hersteller müssen Reparaturen unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichen und Ersatzteile länger verfügbar halten. Das stärkt Verbraucher: innen und setzt ein Zeichen gegen Wegwerfgesellschaft und geplante Kurzlebigkeit. Doch das Recht auf Reparatur allein reicht nicht aus. Reparaturen müssen auch bezahlbar und zugänglich sein. Deshalb müssen wir es in Niedersachsen mit konkreten Maßnahmen wie dem Reparaturbonus flankieren.
Auch bei der Kaufentscheidung müssen Verbraucher*innen besser unterstützt werden. Eine klare Kennzeichnung der Reparierbarkeit wäre ein guter Ansatz. Ein Reparatur-Index nach französischem Vorbild könnte zeigen, wie gut ein Gerät reparierbar ist, ob Ersatzteile verfügbar sind und wie einfach eine Reparatur möglich ist. So können Verbraucher: innen besser entscheiden, ob ein Gerät finanziell und nachhaltig sinnvoll ist. Langlebigkeit und Reparierbarkeit müssen zu echten Qualitätsmerkmalen werden statt immer kürzerer Produktzyklen sollte die Konkurrenz über Qualität und Langlebigkeit erfolgen.
Niedersachsen braucht eine langfristige Strategie für Reparatur und Kreislaufwirtschaft. Dazu gehören für uns die dauerhafte Unterstützung von Repair Cafés, ein Reparaturbonus, die Stärkung des regionalen Reparaturhandwerks sowie mehr Reparaturwissen in Bildung, Integration und Inklusion. Außerdem müssen Ersatzteile und Reparaturinformationen besser verfügbar und die Reparierbarkeit von Produkten transparent gekennzeichnet werden. Auch die öffentliche Beschaffung sollte stärker auf langlebige und reparierbare Produkte setzen. Denn Reparatur bedeutet nicht nur Umwelt- und Klimaschutz, sie stärkt das Handwerk, schafft Wertschöpfung vor Ort und sichert Wissen und Arbeitsplätze in unseren Regionen.